Siegfried Rauch erzählt in seinem Buch über "Wildbach". Eine Rolle die im persönlich sehr nahe kommt.

Am seidenen Faden. Anfang der Neunzigerjahre wollte man nach längerer Abstinenz endlich wieder einmal Heimatfilme im deutschen Fernsehen zeigen. Aber nicht die typischen »Ganghofer«.Filme, wie wir sie aus den Fünfzigern kannten und wie ich sie bis in die Siebziger hinein noch drehte. Das Genre sollte ganz neu aufgezogen werden. Dass im Hintergrund Berge zu sehen sein sollten, war klar. Heimat - das kam noch immer gut an. Oder schon wieder. Was neu sein sollte, das war die Geschichte: Einerseits stand die Bergwacht im Mittelpunkt der Serie. Weil aber Bergrettungen, und fielen sie noch so abenteuerlich und spektakulär aus, auf die Dauer eine solche Fernsehserie nicht hätten tragen können, zumindest nicht für zweiundfünfzig Folgen, kam noch ein zweites wichtiges Element
dazu: Beziehungsgeschichten. Das Zentrum der Serie war der ledige Bergwachtchef Martin Kramer. Und da er ungebunden lebte, ergaben sich immer wieder Möglichkeiten, verschiedene Frauen
einzubringen. Da durfte natürlich eines gar nicht passieren: Er durfte nicht heiraten oder eine feste Beziehung eingehen, denn dann wäre der Dampf raus gewesen. Diesen Bergwachtchef spielte ich. Ich, der eingeschworene Familienmensch! Außer Martin Kramer gab es noch den Sportgeschäftsbesitzer Conny Leitner, gespielt von Horst Kummeth, Max Krückl schlüpfte in die Rolle des Automechanikers Alois Angerer, und Sepp Schauer gab den Arzt Dr. Günther Hofer. Wir zusammen bildeten das feste Bergwachtteam.
Das Wichtigste bei einer solchen Serie ist immer der Anfang. Es kommt darauf an, dass die Figuren gut vorgestellt und etabliert werden. Und so war es kein Wunder, dass man gerade darauf sehr viel Mühe verwendete. Denn genau das ist die Voraussetzung dafür, dass man in der Folge unendliche Möglichkeiten hat, die Figuren zu entwickeln. Mit dem Effekt, dass sich die Zuschauer sogar darüber freuen, dass man sich die Schuhe zubindet, und zwar in der dreißigsten Folge. Ganz einfach, weil sie diese Person lieben.
Es muss stimmen - von Anfang an - und »Wildbach« war sehr stimmig!
Was uns nicht zuletzt der Erfolg der Reihe zeigte: Obwohl man mit der Serie plötzlich und unerwartet Schluss machte, kamen wir - wie schon bei der »Glücklichen Familie« - auf sage und schreibe zweiundfünfzig Folgen. Immerhin! »Wildbach« war äußerst beliebt, wieder vergleichbar mit der »Glücklichen Familie«, die in fünfundsechzig Ländern verkauft worden ist. »Wildbach« schaffle zwar nicht ganz so viel, wurde aber doch in nicht weniger als vierundfünfzig Länder verkauft, und das will schon etwas heißen.

Für diese Serie entdeckt wurde ich von einem Regisseur des Bayerischen Rundfunks, der auch bei der »Glücklichen Familie« mit dabei war. Seine Wahl begründete er damit, dass ich ja ein »Bergmensch« sei, mit wem sonst, wenn nicht mit mir könne man das machen. Und tatsächlich, ein »Bergmensch« bin ich ganz sicher. Aber dennoch bot mir die Serie Gelegenheit, noch sehr viel zu lernen. Diese Rolle war für mich gerade deswegen sehr spannend und aufregend, weil ich im Lauf des Drehens merkte, dass diejenigen, um die es eigentlich ging, die Bergwachtler, sehr oft ihr Leben riskieren. Das führte so weit, dass ich inzwischen richtig sauer werde, wenn ich davon höre, wie sich Leute überschätzen und bei Berg- und Klettertouren plötzlich irgendwo hilflos
in der Wand hängen. Denn dann gilt es fast schon als selbstverständlich, dass die Bergwachtler kommen und sie retten - freiwillig, ohne Bezahlung und unter Einsatz ihres Lebens. Dass ein Bergwachtler bei solch einer Rettungsaktion zu Tode gekommen ist, ist leider schon viel zu oft passiert. Wahrscheinlich hätte man auch eine Aufidärungsserie darüber drehen können, wie man sich am Berg korrekt verhält. Aber wer hätte sich das angesehen? So etwas muss als Unterhaltung verpackt werden, nur dann kann man die Zuschauer erreichen. Denn nur wenn sie die Serie ansehen und sie unterhaltend finden, lernen sie dabei auch etwas.

Mit meiner Rolle als Martin Kramer konnte ich ganz ähnliche Erfahrungen machen wie zuvor bei der »Glücklichen Familie«. Es half mir sehr, dass ich als Schauspieler einen Bezug zum Thema hatte. Wie der Regisseur des Bayerischen Rundfunks schon richtig bemerkte: Ich bin ein leidenschaftlicher Bergmensch. Ich liebe meine Berge, und deswegen, so glaube ich es wenigstens, konnte ich
meine Rolle auch authentisch spielen.
Man muss in seiner Kindheit einfach mal mit seinem Bruder irgendwo hochgeldettert sein und plötzlich gesagt haben:
»Oh, verdammt, Mist, jetzt geht's nimma weiter, weder nach oben, noch nach unten.«
Und es war für mich äußerst interessant mit den Bergwachfleuten, die sehr erfahren waren, zusammenzuarbeiten. Einer von ihnen, Johann Schneider, hat uns immer abgesichert. Er war äußerst gewissenhaft und tat alles für unsere Sicherheit. Und das mit gutem Grund, denn nicht selten kam es zu Szenen, bei denen wir einfach mal zwei Stundenllang in einer Wand hingen. Beim Drehen dauert's halt zuweilen etwas länger. Oft betrachtete ich dann das Seil und dachte mir: »Da hängt nun dein Leben dran, Sigi, an diesem seidenen Faden.« Solange das Seil auch wirklich hält, ist alles gut, aber so ein Seil ist eben kein absolut perfektes Ding. Auch wenn jeder sagt, das könne gar nicht reißen - wenn das doch reißt, dann kann es schnell vorbei sein.
Johann Schneider sagte einmal zu mir: »Ja, weißt du Sigi, es gibt ein Restrisiko, das liegt zwischen drei und fünf Prozent, und das kann ich nicht ausschließen.«
Aber ich sagte ihm, dass ich mich bei ihm sicher fühle und er hervorragende Arbeit leiste. Er nannte das Restrisiko. Im Leben nennt man es Schicksal. Lass einen Felsbrocken auf das Seil fallen: Du stürzt ab, und aus ist's, aus und vorbei. Das war mein Restrisiko bei der Serie.
Aber ich war ja ein geübter Bergkletterer, und wir bekamen von Anfang der Serie an Schulungen, damit man mit den Gegebenheiten vertrauter wird. Außerdem sollte alles professionell aussehen.
Die Serie wurde in Tirol gedreht. Man empfing uns dort mit offenen Armen, was offensichtlich gar nicht so selbstverständlich ist. Denn eigenflich wollte man »Wildbach« in einer Gemeinde in Oberbayern drehen, aber die hauen etwas arrogant abgewunken. Nach dem Erfolg der Serie haben die sich dann »gscheid geärgert«. Denn der Drehort Alpbachtal genoss anschließend einen richtigen Boom an Fantourismus. Über fünf Jahre arbeiteten wir dort und haben uns dabei sehr wohl gefühlt. Am Drehort bewohnte ich ein sehr schönes Apartment in einem Hotel. Sogar einen eigenen Kachelofen hatte ich, was ich ja liebe. Ein weiterer Vorteil war, dass der Drehort nur eine Stunde Autofahrt von meinem Zuhause entfernt war. Von Montag bis Freitag wurde im Alp-
bachtal gedreht. Es war eine sehr schöne, lustige und spannende Zeit. Wir alle wurden richtig gute Freunde und konnten gemeinsam viel erleben.

Einmal drehten wir in einer Klamm, in der es fünfzig Meter nach unten ging. Johann Schneider wurde deutlich: Er könne für unsere Sicherheit nur die Verantwortung übernehmen, wenn ein Netz für den Kameramann gespannt werde.
»Muss das sein?«, fragte man. »Muss nicht«, antwortete er. »Aber wenn nicht, dann geh ich.«
Also wurde ein Netz gespannt. Und als wir die Szene schließlich drehten, verlor der Kameramann tatsächlich das Gleichgewicht und stürzte ab. Zum Glück in das Netz, das gottseidank da war. Hätte man das Netz nicht angebracht, dann hätten wir wohl eine längere Drehpause gehabt - und der Staatsanwalt wäre erschienen.

Viele Informationen zur Serie und den Dreharbeiten.

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